Ich sehe zu dir

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Es dauert eine Weile – fast 25 Minuten – bis der sprichwörtliche Big Whitney Houston Moment auf I Look to You, dem sechsten Studioalbum der Sängerin, eintrifft. Es ist aber ein Trottel. „I Didn’t Know My Own Strength“ ist eine schmaltzige Ballade über spirituelle Herzlichkeit und Erfolg gegen alle Widrigkeiten, voller stürmischer Crescendos des Streichorchesters und Gospel-Piano-Akkorden. Hier ist das Houston, das Sie kennen: der stürmische Balladesänger, dessen Megahits wie „Greatest Love of All“ vokale Pyrotechnik, Selbsthilfe-Bromide und eine eindeutig schwarz-weibliche Perspektive kombinierten, um eine neue Art weltlicher Gospelmusik zu schaffen. Schließen Sie Ihre Augen, öffnen Sie Ihre Ohren und Sie sind zurück im Jahr 1992.

Die Sache ist die, es ist 2009 und I Look to You ist Houstons erstes Album seit sieben Jahren. Es gibt eine ganze Beyoncé-Generation, die Houston nicht als Vokalvirtuose mit Multi-Oktaven-Umfang kennt, sondern als Boulevardzeitung, deren Auflösung sich seit Jahren in der Öffentlichkeit abspielt. „I Look to You“ wurde als Houstons Comeback angepriesen, und es ist nicht schwer, „I Didn’t Know My Own Strength“ als autobiografisches Herzstück des Albums zu lesen. „I crashed down and I tumbled/But I did not crumble“, singt Houston.

Aber interessanterweise ist dieser klieg-beleuchtete Moment die Ausnahme auf dem neuen Album. I Look to You verbringt wenig Zeit damit, zurückzublicken. Es ist eine moderne Soul-Platte, eine Sammlung eleganter, oft spunkiger Liebeslieder, die auf etwas Unmittelbareres und Greifbareres abzielen als auf Nostalgie oder Katharsis: Houston will zurück in den Diva-Einsatz.

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Die Stimmung wird durch den Lead-Track „Million Dollar Bill“ bestimmt. Es wurde von Alicia Keys mitgeschrieben und ist eine luftige Ode an die neu entdeckte Liebe mit gummiartigen, hohen Bässen, Disco-Streichern und einem Text, der so lebhaft ist wie der Beat. Ein Cover von Leon Russells „A Song for You“ beginnt als vergnügliche Klavierballade, aber bei 1:30 bricht der Wolkenteil ein, und ein sonniger Eurodisco-Beat strömt durch. Sogar die Songs mit langsameren Tempi finden Houston in einer süß sexy Stimmung, die ihre Rolle als Sängerin von nützlichen Babymakin-Hymnen annimmt. „Ich weiß, dass heute Abend jemand mit diesem Song Liebe machen wird“, gurrt sie im üppigen „Worth It“.

Mit 46 ist Houston nicht mehr die Sängerin, die sie einmal war. Die Zeit und das harte Leben haben einige Noten von dieser erstaunlichen Bandbreite abgetragen; Die klare, helle Stimme, die das Radio dominierte, ist einem heiseren Ton gewichen – weniger kraftvoll, aber schwüler. Wo einst ihre Stimme im Mittelpunkt stand, überlässt sie klugerweise ihren Songwritern und Produzenten einen Teil des Rampenlichts. Und sie hat sich mit einigen Ringern zusammengetan: Keys und Swizz Beatz (Co-Produzenten von „Million Dollar Bill“), R. Kelly, Danja, Akon, Tricky Stewart und dem norwegischen Studioteam Stargate, dessen lebhafter „Call You Tonight“ der ist der rein melodischste Moment des Albums. Klugerweise versuchen diese Kollaborateure nicht, Houston zu Hip-Hop zu machen. Die Beats sind eindringlicher als in der Vergangenheit, aber sie versuchen nicht, alleinstehende Damen zu sein; Die Songs haben eine protzige Überlagerung von Erwachsenem und Zeitgenössischem, die unverkennbar Whitney ist.

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„Ich möchte, dass du mich liebst, als wäre ich nie gegangen“, fleht sie in „Like I Never Left“, einem einschläfernden Duett mit Akon. Singt sie für einen Liebhaber oder für ihre Fans? Romantik kommt und geht, Männer können ersetzt werden. Aber Hit-Platten, Pop-Superstars, die Bewunderung von Millionen – das ist die größte Liebe von allen.

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